Das Labyrinth als Symbol des Lebensweges

Die Suche nach dem für uns besten Weg

Das Labyrinth ist in seiner klassischen Form eine einzige verschlungene Linie, die zum Zentrum der Form führt. Im Gegensatz zum Irrgarten gibt es keine Weggabelungen, Sackgassen oder Kreuzungen. Aus dem Wechsel zwischen Außen- und Innenbahn, Kehrtwenden und scheinbarer Nähe oder Entfernung vom Ziel findet der Mensch beim Gang durch das Labyrinth zu innerer Klarheit, zu sich selbst. Bei Entscheidungen ist das Zentrum, das Ziel, eine stimmige Lösung, die sowohl der Person als auch der Situation angemessen ist.

Von Knossos nach Chartres

Die Geschichte des mäandernden Weges

In der griechischen Sagenwelt wurde der Minotaurus, ein Ungeheuer mit Menschenleib und Stierkopf, in einem Labyrinth gefangen gehalten. Mit Hilfe von Ariadne gelang es Theseus das Labyrinth zu durchdringen und die Doppelgestalt aus Mensch und Stier zu töten.

Basierend auf der griechischen Mythologie ist das Labyrinth seit dem frühen Mittelalter in christlichen Kirchen zu finden. Im Christentum wurde das Labyrinth zu einem Symbol der Erlösung. Die Mitte steht dort für die Kirche, den Himmel oder die Auferstehung. Der Weg wird als Bußweg des Sünders, der des Pilgers nach Jerusalem oder die Überwindung des Teufels interpretiert. Zu den berühmtesten Labyrinthen im Christentum zählt das Labyrinth in der Kathedrale von Chartres, deren 294 Meter langer Weg von Gläubigen auf den Knien durchmessen wurde.

So weit, wie es der Weg zulässt

Meditationen mit und in einem Labyrinth

Meditationen sind nicht einfach nur eine Entspannung, sondern sie helfen uns, im Augenblick zu ruhen; offen zu sein für das, was ist; uns der Gefühle bewusst zu werden, die Menschen, Dinge, Geschehnisse in uns auslösen. Das Labyrinth kann helfen, diese Konzentration auf unser Innerstes zu erreichen. Der Weg ist vorgegeben: vom Äußeren zum Inneren. Die Wendepunkte ermöglichen, die Blickrichtung zu ändern. Sie können sich nicht in Ihnen selbst verlieren, der Weg liegt immer vor Ihnen.

Ich habe Anleitungen zu zwei einfachen praktischen Meditationen mit und in einem klassischen Labyrinth aufgeschrieben [mehr dazu]. Wer nicht nach Chartres fahren kann, probiert es in den Gärten der Welt in Berlin-Marzahn aus, dort ist das Labyrinth von Chartres in Originalgröße als Bodenmosaik angelegt.